
Tripolarität – Das Spiel
Drei Grenzen. Viele Interessen. Eine gemeinsame Lösung.
Stell dir einen Tisch vor.
Unser Spielfeld hat drei Grenzen:
Mensch. Natur. Wirtschaft.
Dazwischen liegt der Raum, in dem wir unsere Interessen aushandeln.
Dann nehmen wir ein paar Hütchen.
Jedes Hütchen steht für ein Interesse.
Wohnen. Arbeitsplätze. Energie. Landwirtschaft. Gesundheit. Mobilität. Eigentum. Rente. Wasser. Freizeit.
Du meinst, etwas fehlt?
Prima. Nimm ein weiteres Hütchen und stell es dazu.
Jetzt beginnt das Spiel.
Die Aufgabe
Nehmen wir ein einfaches Beispiel:
Eine Gemeinde braucht 500 neue Wohnungen.
Also stellen wir das erste Hütchen auf den Tisch:
Wohnraum.
Sofort kommen weitere dazu:
Bezahlbare Mieten. Baukosten. Grundstücke. Grünflächen. Verkehr. Wasser. Energie. Arbeitsplätze. Rendite. Eigentumsrechte.
Jetzt versucht gemeinsam, eine Lösung zu finden.
Ihr dürft die Hütchen verschieben.
Ihr dürft neue hinzufügen.
Ihr dürft miteinander streiten.
Ihr dürft eure Meinung ändern.
Es gibt nur eine Bedingung:
Keine Lösung darf Mensch, Natur oder Wirtschaft so beschädigen, dass einer dieser Bereiche dauerhaft nicht mehr funktioniert.
Drei Wächter
An jeder der drei Grenzen steht ein Wächter.
Einer schützt den Menschen.
Einer schützt die Natur.
Einer schützt die Wirtschaft.
Die Wächter dürfen keine Lösung vorschreiben.
Sie dürfen lediglich sagen:
„Stopp. Diese Grenze wird verletzt.“
Dann wird weitergespielt.
Das Hütchen wird verschoben.
Eine andere Möglichkeit wird ausprobiert.
Es wird neu verhandelt.
Und wer gewinnt?
Niemand gegen jemanden.
Das ist der entscheidende Punkt dieses Spiels.
Du kannst deinen Mitspieler nicht besiegen und dadurch gewinnen.
Du kannst ihn nicht einfach überstimmen und anschließend behaupten, das Problem sei gelöst.
Denn das Problem liegt immer noch auf dem Tisch.
Ihr könnt argumentieren.
Ihr könnt verändern.
Ihr könnt aushandeln.
Oder jemand kann aussteigen.
Aber ihr könnt das Problem nur gemeinsam lösen.
Probier es aus
Setz einen AfD-Wähler, einen Grünen, einen Unternehmer, eine Klimaaktivistin, eine Rentnerin und ein sechsjähriges Kind an denselben Tisch.
Gib jedem Hütchen.
Dann stellt ein Problem in die Mitte.
Nicht:
„Wer von euch hat recht?“
Sondern:
„Wie bekommen wir das gemeinsam hin, ohne eine unserer drei Grenzen zu zerstören?“
Und dann schaut, was passiert.
Vielleicht funktioniert es nicht.
Vielleicht wird heftig gestritten.
Vielleicht fehlt ein Interesse.
Dann kommt eben noch ein Hütchen auf den Tisch.
Denn Tripolarität behauptet nicht, dass unsere Welt einfach ist.
Nur das Erklärungsmuster ist einfach.
Nicht der andere Mensch ist das Problem.
Das Problem liegt auf dem Tisch.
Und den anderen brauchen wir, um es zu lösen.
Du glaubst nicht, dass drei Pole reichen?
Gut.
Dann leg dein Hütchen auf den Tisch.
© 2026 Norbert Remmers Overdick
NIE X2075110G
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